Da bin ich doch tatsächlich von jemandem angeschrieben worden, der diese Erläuterungen zum Anlaß für tiefergehende Recherchen zum Anlaß genommen hat. Er hat folgendes rausgefunden (in meinen Worten):
Die Internet-Persona „Settembrini“ ist der des uruguayanischen RPGPundit sehr ähnlich – man könnte sogar behaupten, hier handele es sich um eine mehr oder minder gelungene Kopie.
Die direkte, kompromißlose, teils sehr wüste Art des Settembrini ist eine Methode, eine Masche, um den eigenen Standpunkt so zu positionieren, dass man darauf reagieren muß.
Und das wird nun führ moralisch verwerflich gehalten.
Finde ich nicht, aus verschiedenen Gründen:
– Eine klare, eindeutige, konsequent dargestellte und nach nachvollziehbaren Grundsätzen agierende Internet-Persona ist für mich eine eben so klare und eindeutige Bezugsgröße. Steht "Settembrini" drauf, weiß ich dass Feigenkekse drin sind … moment. Also: Das Stichwort ist: Wiedererkennungswert, Und eine klare Abgrenzung einer
konkreten Position von einer
konkreten Person.
– Die Methodik des lauten, kompromißlosen Schreihalses der Gegner die ohne Argumente daherkommen, als Dummköpfe (und schlimmeres) bezeichnet, wird als hinterhältig bezeichnet, weil sie zu persönlichen Reaktionen … animiert.
Aus Sicht des Nutzers der künstlichen Persona kann das natürlich nicht nachvollziehbar sein, weil hier eben nicht auf einer menschlich-gefühlsmäßigen Ebene angegriffen wird, sondern genau eine bestimmte Position zu einem bestimmten Thema möglichst … hmmm, komme ich um den Leuchtturm herum? … nachhaltig und mit Strahlkraft … verkündet werden soll. Mit Appeasement kommt man da nicht weit, ist ja klar, es geht ja darum, die Leute aufzuwecken, und ihnen ein anderes Ideal aufzuzeigen.
Ist das grundweg positiv? Natürlich nicht. Man verärgert Leute, nervt Unbeteiligte und verliert möglicherweise sogar mögliche Mitstreiter alleine wegen des Auftretens. Aber es ist wirksam.
Wie nun damit umgehen? Nicht ganz einfach die Frage, aber ich kann mich – obwohl meine Grundhaltung zum Rollenspiel von der Settembrin'schen deutlich abweicht – nicht erinnern, von ihm mal Dummkopf geschimpft worden zu sein. Deswegen hier ein paar Tipps, die vielleicht helfen können. Übrigens nicht nur in hitzigen Diskussionen mit unserem werten Gastgeber, sondern auch wenn ich beim Erdbeereis (ohne frische Erdbeeren) beginne, mich zu ereifern. Anders gesagt: Hilft eigentlich immer.
– Konzentriert Euch auf die Inhalte. Es ist nicht wichtig, dass jemand
Swine sagt, es ist wichtig herauszufinden, was damit gemeint ist. Also muß man mit rasiermesserscharfem Sinn die Schicht der Empörung und der Abscheu von den Argumenten abheben, und die betrachten. Ist nicht immer einfach. Damit kommen wir zum nächsten Punkt:
– Verständnisfragen stellen. „Wie meinst Du das?“ in allen ihren Ausprägungen ist eine der hilfreichtsten Fragen überhaupt, wenn man sie unvoreingenommen und gelassen zu stellen vermag.
– Sachbezüge herstellen und über diese reflektieren. Wenn jemand eine andere Meinung hat – unabhängig davon ob diese gut begründet ist oder nicht – diese erstmal für sich nehmen und
nicht in die große Tüte mit Vorurteilen stecken. Schauen, was davon man für sich annehmen kann und was nicht. Darüber nachdenken, warum das so ist. Das veranschaulichen. Die Dinge für sich behalten, die man nicht diskutieren will.
– Nicht alles posten, nur weil es in einer Input Box steht. Manchmal reicht es, für sich selbst zu einem Schluß gekommen zu sein. Das gilt insbesondere, wenn dieser Schluß nur bedingt mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, und noch insbesonderer, wenn weitere Beteiligte gerade dabei sind, sich richtig schön hochzuschaukeln. Warten, bis das Thema abgekühlt ist.
– Nur schreiben, wenn man noch Fragen oder Antworten hat.
Nota Bene: Das klappt bei mir selbst auch nicht immer. Aber als Idee klingt es doch schonmal nicht schlecht, oder?